Siebenmeilenstiefel gibt’s nur im Märchen – und im Schloss von Brézé

Jeder kennt sie, aus den Märchen der Brüder Grimm, aus Hauff, Heine, Goethe und Chamisso und natürlich aus der Geschichte von Charles Perrault, „Der kleine Däumling“ – die Siebenmeilenstiefel. Der Riese aus Perrault’s Geschichte benutzt die Zauberstiefel, um den kleinen Däumling, „Petit Poucet“ im Französischen, und seine Brüder zu verfolgen :

Die Siebenmeilenstiefel waren eine der schönsten Erfindungen der alten Zeit, nur befanden sie sich leider nicht immer in den besten Händen. Wer sie an den Füßen hatte, legte mit jedem Schritt sieben Meilen zurück, also mit zehn Schritten nicht weniger als siebzig Meilen. Da ist die Eisenbahn nichts dagegen, obwohl wir uns so viel darauf einbilden. Mit diesen Siebenmeilenstiefeln stieg der Riese über Berg und Tal, hin und her, die Kreuz und Quer, immer nach den Knaben suchend.“

Im Film „Le petit Poucet“ von  Olivier Dahan (2001) sind die Siebenmeilenstiefel, „les bottes de sept lieues“ im Französischen, flammend rote Lederstiefel, mit denen der Riese, „l’Ogre“ auf Französisch, den nächtlichen Gewitterhimmel in Riesenschritten durchquert. Sind sie also eine Erfindung des 1628 in Paris geborenen französischen Autoren Charles Perrault, der gegen Ende seines Lebens „Les contes de ma mère l’Oye“ (1697) herausgab, worin auch der kleine Däumling erschien ?

Das dachte ich, bis ich das Schloss von Brézé in der Nähe von Saumur in Frankreich besuchte. In einer Nische im Treppenaufgang des Schlosses sah ich sie :

Die Siebenmeilenstiefel. Schloss von Brézé. © A.B.

Es gibt sie also, oder besser gesagt, es gab sie. Diese Stiefel wurden von Postillonen getragen, die auf dem vorderen linken Pferd der Postkutsche saßen und alle sieben Meilen, also alle 30 Kilometer, auf einer Poststation Halt machten. Die „bottes fortes“ von Brézé sind typisch französisch, wiegen zwischen zwei und vier Kilo und sind aus Leder und Holz mit Metallverstärkungen und Nägeln in den Schuhsohlen. Sie waren solide und wasserdicht, damit der Postillon Schlamm und Wassergräben durchqueren konnte, und schützten seine Unterschenkel und Füße, falls das Pferd stürzen sollte.

Zu gerne hätte ich diese Siebenmeilenstiefel näher untersucht! Die Steigbügel stehen nur dabei, sie gehören sicher nicht an die Stiefel, sonst wäre das Absteigen jedesmal eine komplizierte Geschichte. Eines steht jedenfalls fest : ich würde lieber die roten Lederstiefel von Perrault benutzen, um durch die Lüfte zu schreiten, als diese „bottes fortes“ aus dem Schloss von Brézé.

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